Nachtvorlesung – Gefäßerkrankungen

Dienstag, 11.09.2018 um 19.30 Uhr

 

 

Nachtvorlesung – Gefäßerkrankungen

Wenn in der Netzhaut des Auges ein Blutgefäß “verstopft”, kann es zu Sehverschlechterung oder Erblindung kommen. Man spricht dann von einem Gefäßverschluss. Unterschieden werden 2 Hauptgruppen: Verschlüssen von Venen, auch Thrombosen genannt und Verschlüsse von Arterien. Umgangssprachlich würde man wohl von “Augenthrombose” und “Schlaganfall im Auge” sprechen. Das Blut wird zu “dick”, gerinnt und verstopft eine Vene. Die sogenannte Thrombose findet statt. Da Venen die Blutgefäße sind, die das Blut aus dem Organ wieder abtransportieren, gibt es einen “Stau” und Überdruck. Die Blutgefäßwände werden beschädigt und Blut tritt aus den Blutgefäßen in das umgebende Gewebe aus. Im Fall des Auges verstopfen die Netzhautvenen und es blutet in die Netzhaut. Diese bekommt nicht mehr genug frischen Sauerstoff, da das verbrauchte Blut nicht mehr abfliessen kann und frisches nicht mehr nachkommt. Die Netzhaut wird durch “Untervorsorgung” geschädigt und “verweigert an den betroffenen Stellen den Dienst” vorübergehend oder dauerhaft.

Verschlüsse von Arterien sind aus Patientensicht noch dramatischer. Hier ist es quasi so, als wenn jemand “plötzlich das Licht ausmacht”. Es tritt eine akute Verstopfung einer Blut und Sauerstoff zuführenden Arterie zum Auge auf. Vergleichbar der Situation am Herzen beim Herzinfarkt, erleidet die Netzhaut einen Infarkt, d.h. sie stellt ihre Funktion aufgrund von Sauerstoffmangel ein. Dauert der Verschluß der Arterie mehrere Stunden und ist komplett, stirbt die Netzhaut ab. Glücklicherweise ist er häufig nicht komplett und eine minimale Restdurchblutung verhindert die absolute Zerstörung der gesamten Netzhaut. Als Komplikationen im weiteren Verlauf kann es zu Gefäßwucherungen aus der zerstörten Netzhaut kommen. Diese können zu einer Einblutung in den Glaskörper mit einer weiteren Verschlechterung des Sehens führen. Auch Netzhautschwellungen, sogenannte Makulaödeme oder gar ein Grüner Star können das Sehvermögen weiter beeinträchtigen.

 

Prof. Dr. Markus Kohlhaas
Chefarzt Klinik für Augenheilkunde im St.-Johannes-Hospital

 

Eintritt: kostenlos